Als sich die Leben der Menschen im endlosen Konsum und in den
Fängen erdachter Sicherheiten zu verlieren scheinen, tritt die
Zeit auf den Plan. Ein Mädchen, unbefangen und mit Neugier allen
menschengemachten Schrecken und Grauen trotzend, betritt die
uralten Pflastersteine von Bergheim. Keine Sprache scheint ihr
fremd, sie schreckt vor niemandem zurück und wandelt ruhig und
besonnen im geschäftigen Treiben der Stadt umher, beobachtet und
wartet geduldig. Menschen unzähliger Kulturen sieht sie
vorbeiziehen. Geschäfte bieten Waren aus zahlreichen Ecken der
Welt an. Kulinaritäten, Feste, Musik - es scheint an nichts zu
fehlen in dieser weltoffenen Stadt. Doch es vergehen Tage, bis sie
endlich jemand anspricht. Und da kommt ihre scheinbar einzige Habe
zum Vorschein. Aus einer Schatulle holt sie einen kleinen
Handspiegel mit hölzernem Rahmen hervor. Unscheinbar, abgenutzt,
bedeutungslos. Doch dieser Eindruck ändert sich schlagartig, als
ihr Gegenüber sein Spiegelbild darin zu Gesicht bekommt. Auf
Erstaunen folgt Entsetzen. Auf Entsetzen folgt Erleichterung. Es
ist nicht zu spät! So lautet die Botschaft, die das kleine
Mädchen mitgebracht hat. Einer nach dem Anderen bekommt zu
Gesicht, was der Menge im täglichen Treiben verborgen bleibt.
Türen öffnen sich, das Treiben bricht auf, die Blicke treffen
sich. Es scheint, ein altes Miteinander sei wiedergeboren und der
Zuversicht kehre zurück.
Doch ehe sich ein neuer Glanz auf die Silhouette der Stadt legt,
setzt eine andere, fremde Gestalt ihren Fuß auf den städtischen
Grund. Missmutig betrachtet er die herumstehenden Gruppen, den
Stillstand, die Trägheit und schreitet unverhohlen zur Tat.
Zerstreuung macht sich breit unter den Menschen. Traurig sieht
das Mädchen zu, wie ihr Werk, die neue Gemeinschaft zerfällt.
Hoffnung aber macht ihr eine Erinnerung. Eine Erinnerung, die
sie lebendig werden lassen kann. Etwas, das die Menschen in den
Bann zieht und erfreut. Aber gleichzeitig etwas, das die Menschen
selbst machen können um sich gegenseitig zu erfreuen.
Ein erneuter Blick in die Schatulle der Zeit richtet sich auf
die Kunst. Eine Holzschnitzerei zeigt eine Ballerina und wird von
dem kleinen Mädchen zum Leben erweckt. Der Tanz ist der erste
Streich gegen die Zerstreuung. Und wie ein Funke springt die Lust
auf den Ausdruck über auf die ersten Bürgerinnen und Bürger.
Tanzstil reiht sich an Tanzstil und die Kulturen scheinen zu
verschmelzen. Doch mit diesem Feuer ist es nicht getan. Es braucht
mehr, um die größte Macht zu brechen, die Augen und Ohren in
ihrem Bann hält und gegen die Spiele von Zeit und Harmonie immer
wieder anzukommen weiß.
Es braucht ein Lauffeuer. Nur für einen kleinen Moment. Die
Sinne müssen auftauchen aus den Scheinwelten und erfahren, welche
Energie, welchen Lebensmut diese Stadt wirklich in ihrem Herzen
trägt. Ein Finale steht bevor. Es soll ein gutes sein. Eines, das
sich an jedem beliebigen Ort der Welt zu jeder Zeit wiederholen
lässt.